2. Bundesliga, Frauen:
TG Nürtingen – 1. FSV Mainz 05
Temporeich und spielwitzig
So startet die TG Nürtingen sechs Tage nach dem Pokal-Coup gegen Metzingen nun auch bemerkenswert in die neue Punktrunde. Der 30:25-Sieg gegen den FSV Mainz 05 sorgt folglich für viel positive Resonanz.
Die Trommler auf der Tribüne der Eisenlohrhalle hatten am Samstagabend bereits wieder einen arbeitsintensiven Job zu verrichten. Der Wirbel, den die Handballerinnen der TG Nürtingen sechs Tage nach dem Pokal-Coup gegen die TuS Metzingen (37:35 n.V.) auf dem Platz entfachten, lieferte den ehrenamtlichen Stimmungsmachern reichlich Inspiration für ihre Tätigkeit. Das Team von Manel Cirac präsentierte Handball mit Überzeugung gegen einen FSV Mainz 05, dessen Spielerinnen jedoch durchaus ernstzunehmend dagegenhielten. In Summe genügte dies ihnen nicht.
Keine Kipppunkte folglich im Match, viel Kreativität, sehenswerte und beeindruckende Offensivaktionen, rustikale Defensivarbeit, nur eine nennenswerte Schwächephase gegen Spielende: zentrale Gründe für den 30:25-Endstand pro Nürtingen, nach 15:10-Pausenstand. Die „Neckarmädels“ lieferten, das Publikum zahlte zurück. Zusätzlich angeheizt von einem unter Strom stehenden Hallensprecher Gert Schnepf, kam es kaum noch aus dem Applaudieren plus Anfeuern heraus. „Wir sind happy über die Art und Weise, wie wir diese Punkte geholt haben“, konstatierte TGN-Cheftrainer Cirac, auf dieser Leistung ließe sich aufbauen.
Insbesondere das Spiel über die Außenpositionen wusste zu gefallen. Dass mit Ronja Bühler (acht Tore) eine Linksaußen am Ende des Tages auf Platz eins der Tagestorjägerinnen-Hitliste stand – fast schon die logische Folge. „Es gibt Spiele, da kommt man einfach gut rein“, kommentierte der 22-Jährige Neuzugang vom HSV Solingen-Gräfrath die persönliche Wurfquote von rund 73 Prozent. Grundsätzlich sei der Sieg in einem ersten Saisonspiel sowieso „sehr wichtig“.
Erfolgsfaktoren lieferte zudem das Kollektiv, in jenem beispielsweise Lisa Fuchs alle fünf sich bietenden Strafwürfe zentimergenau platziert verwandelte, später Leonie Dreizler dreimal dieselbe Option nutzte. Letztgenannte sorgte zudem kurz vor der Schlussphase mit zwei herausragenden Rückraumwürfen in den rechten Torwinkel für Entzücken beim heimischen Anhang unter den knapp über 700 Zuschauerinnen und Zuschauern. „Wir haben uns durch einen schnellen Vorsprung gute Sicherheit im Spiel holen können“, bilanzierte die neue TGN-Kapitänin Lisa Wieder, um selbstkritisch festzustellen, dass gegen Ende der Partie in der ein oder anderen Situation „vielleicht etwas zu hektisch und überhastet“ agiert wurde. Die Auszeiten seinen jedenfalls „immer zur rechten Zeit gekommen“, um wieder mentale Kraft zu schöpfen.
Auf Mainzer Seite herrschte nach dem Schlusston in der Eisenlohrhalle überschaubarer Frust. „Wir hatten uns den Nürtinger Pokalsieg über Metzingen im Internet angeschaut. Das war schon beeindruckend. Wir kamen schon mit etwas Respekt hierher“, betonte FSV-Chefcoach Jörg Schulze. Der ehemalige Bundesligaspieler gratulierte vor dem Match einigen TGN-Akteurinnen direkt zum gelungenen Coup. Für die Niederlage seines Teams machte Schulze die geringe Chancenverwertung mitverantwortlich: „Vor allen Dingen zu Beginn haben wir zu viel liegengelassen sowie zu viele Treffer nach Gegenstößen kassiert.“ FSV-Kapitänin Christin Kühlborn attestierte der TG Nürtingen insgesamt einen guten Job: „Kompliment, was hier aufgebaut wurde.“
Unter die Jubelierenden mischten sich nach dem Match auch Annika Distel und Julia Symanzik. Erstgenannte hatte das Match mit bandagiertem Finger von der Bank aus verfolgt (Trainer Cirac: „Ein Einsatz wäre noch zu risikoreich gewesen“), Julia Symanzik scheint nach dem erlittenen Kahnbeinbruch wieder auf dem Weg der Besserung. „Ich kann schon wieder etwas trainieren, jetzt muss man sehen, welche Antworten die Hand auf die Belastung gibt“, berichtete sie exklusiv im Pauseninterview auf dem Spielfeld. Das Mitwirken beim kommenden Auswärtsmatch in Freiburg (Sonntag, 16.30 Uhr) kann folglich noch kein Thema für sie sein.